Fall Mirco was können wir dadurch Lernen

Mirco Schlitter
Mirco Schlitter

Der Prozess gegen den möglichen Mörder vom kleinen Mirco ist in Krefeld nun endlich angelaufen. Wie zu erwarten war, ist das öffentliche Interesse immer noch sehr groß. In der Zwischenzeit ist es natürlich etwas ruhiger geworden, aber durch den Prozess ist natürlich dieses Verbrechen wieder ins normale Leben gerückt. Was sich viele fragen ist, wie die Eltern diese ganze Sache überstehen. Die Eltern von Mirco haben zahlreiche Interviews gegeben und haben da teilweise sehr ausführlich ihre Zeit beschreiben können. Die Reaktionen auf das Verhalten der Eltern waren teilweise sehr unterschiedlich, von Bewunderung bis hin zu Unverständnis. Aber auch die Menschen, die Sandra und Rheinhard Schlitter für ihre Klarheit bewundern, fragen sich, wie sie das schaffen. Verwunderung wird einmal dadurch hervorgerufen, dass sich die Eltern nicht so verhalten, wie sich die meisten Menschen sich das vorstellen. Bei einem solchen Schicksalsschlag stellen sich die meisten Menschen vor, dass sie zusammenbrechen und ihre Trauer und Wut offen zeigen. Dieses Bild vermitteln die beiden Eltern aus Grefraht nicht, und das ist die Verwunderung. Ich habe mich aber gefragt, was gibt dieser Familie Kraft? Es ist sicherlich kein Geheimnis, dass Mircos Eltern sehr gläubige Menschen sind und dadurch sehr viel Halt finden. Ich kann dazu nicht viel sagen, da ich kein Mensch bin, der einen sehr ausgeprägten christlichen Glauben hat. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ein fester Glaube helfen kann, solche Ereignisse besser zu verarbeiten. Es heißt nicht umsonst „Glaube versetzt Berge“.

Was ich viel interessanter fand, ist das Interview, das in der ARD bei Beckmann gezeigt wurde, dort konnten die Eltern lange erzählen, wie es ihnen ergangen ist. Nach einer guten Viertelstunde stellte Beckmann die Frage, wie sie es geschafft haben, nicht zu verzweifeln und so stabil zu bleiben. Reinhard Schlitter antwortete sinngemäß, dass es bei ihnen zu Hause jeden Abend im Kreis der Familie und Freunden ein Treffen gab, wo jeder seine Gefühle offen aussprechen konnte, wo in der Bibel gelesen wurde und gemeinsam gebetet abgehalten wurden.

Für mich ist eine Sache ganz entscheidend gewesen, die Aussage einer ganz einfachen aber auch so wichtigen Sache, die Möglichkeit offen über seine Gefühle sprechen zu können. Bestimmt waren da auch viele beängstigende und traurige Gespräche bei, aber wie heißt es so schön im Volksmund „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Diese einfach Sache, Reden und Zuhören ,Ruhe finden ist so ein unvorstellbarer Wert, dem man sich heute leider nicht mehr bewusst ist. Die Gebete haben sicherlich dazu beigetragen, den Blickwinkel zu ändern, da alles Gottes Wille ist, so muss auch diese Tat Gottes Wille sein. Das mag schlimm klingen, aber kann auch trösten ,da Gott auch bei dieser Tat anwesend war und seine Gründe hatte, warum er dies zuließ.

 

Wie unterschiedlich Sachen aufgefasst werden können, zeigte mir Sandra Schlitter, als sie die Frage beantwortete, warum sie auch für den Täter gebetet hätten. Als Grund gab sie an, dass man glaubte, durch die Gebete würde der Täter zu Einsicht kommen und sich stellen ,oder der Soko Mirco einen Hinweise geben. An dieser Stelle dachte ich nur, da haben die Gebete nichts gebracht. Olaf H., der Tatverdächtige, wurde verhaftet und hat sich bis zum Schluss versteckt. Sandra Schlitter sah die Sache aber aus einer anderen Sicht, sie fand die Bestätigung ihrer Gebete darin, dass der Verdächtige sie zu ihrem toten Kind führte, und damit den Fall in eindeutige Spuren lenkte. Da es in diesem Fall nicht Richtig oder Falsch gibt, hat es mir wiedereinmal gezeigt, wie unterschiedlich Sachen aufgenommen werden können. Das was die Eltern aufrecht hält, ist sicherlich der Glaube, aber auch eine starke Familie und Freunde. Die Bereitschaft und die Fähigkeit, offen über seine Gefühle sprechen zu können, sind für mich große Werte, die auch von „nicht“ gläubigen Menschen genutzt werden sollten.

Ich wünsche der Familie in den Tagen des Prozesses viel Kraft und vor allem viel Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. Mehr brauche ich, glaube ich, einer so starken Familie nicht zu wünschen.

Die Sendung bei Beckmann finden Sie hier.

Weitere Berichte über den Fall Mirco finden Sie hier.

One thought on “Fall Mirco was können wir dadurch Lernen

  1. Lehrreicher Blogpost. Interessant, wenn man das Thema auch mal aus einer anderen Perspektive beschrieben lesen kann.

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